schöpfungsliebend.
lyrik, politik und religion.


Erntedank

1 Einstieg Schaukel
Der Sommer war lang. Die Sonne hat die Früchte wachsen und reifen lassen.
Das Grün der Blätter hat sich im Lauf der Zeit gewandelt. Zu Beginn die hellen, noch so verletzlich aussehenden Frühjahrsfarben. Dann die immer satter und reifer werdenden tiefen Grüntöne des Sommers. Und jetzt werden die Blätterfarben langsam kraftloser.
Ein Teil der Äpfel wurde schon geerntet. Wenn sie in den Garten geht und die großen Obstbäume sieht, ist sie dankbar dafür, wie groß sie geworden sind. In ihrer Kindheit waren sie noch nicht so kräftig. Damals waren es noch junge Bäume, die nur wenig Früchte tragen konnten. Wie sie gewachsen sind in all den Jahren.
Im letzten Jahr hat sie eine Wippe in den Garten bauen lassen. Inmitten der großen Obstbäume steht sie nun. Wenn die Kinder kommen und mit Schwung wippen, dann passiert es, dass ein Kind an der hohen Stelle noch ein bisschen weiter in die Luft hüpft, sodass es mit den Haaren die Blätter des Kirschbaums berührt. Die Kinder lieben es, auf der Wippe herumzuturnen. Sie suchen nach einem guten Gleichgewicht, damit das Wippen auch Spaß macht. Vier Kinder auf der einen und eines auf der anderen Seite funktioniert nicht, dann kommt die Wippe nicht in Schwung. Inzwischen haben sie verschiedene Möglichkeiten gefunden, wie sie sich aufteilen und an welcher Stelle der Wippe sie sitzen können, damit sie problemlos hin und her schwingt. Das laute Lachen hört sie noch in der Küche aus dem Garten hereinwehen. Dann lächelt sie und erinnert sich an ihre Kindheit. Auch sie hatten viel Spaß mit einer Wippe, die damals im Garten stand. Auch sie haben ausprobiert, wie ein gutes Gleichgewicht entstehen kann. Ein Gleichgewicht finden – eine Aufgabe, die sich jeder Generation aufs Neue stellt.
2 Dank für die Ernte
Auch in der Ernte geht es darum, ein Gleichgewicht zu finden, damit die Böden jedes Jahr wieder neu bewirtschaftet werden können. Um ein Gleichgewicht geht es auch am Erntedankfest. Danke sagen können für die Ernte, das stellt ein inneres Gleichgewicht her. Auf der einen Seite der Wippe liegen die unerfüllten Wünsche. Alles das, was nicht gewachsen ist und nicht so geworden ist, wie es hätte werden können. Auf der anderen Seite der Wippe der Dank für das Gute. Der Dank für die reif gewordenen Früchte. Für die nahrhaften Kartoffeln, die Schönheit der Blumen, die Süße der Kirschen.
Auf der einen Seite der Wippe liegt das, was nicht gut ist. Auch an einem fröhlichen Fest wie dem Erntedankfest müssen die Augen davor nicht verschlossen werden. Auf der anderen Seite der Wippe liegt die Freude über die Ernte. Das Glück über all das, was sich durch Gottes Gnade entwickeln konnte. Meine Wünsche, die Wurzeln gebildet haben.
Vor der Ernte steht eine Zeit des Arbeitens. Zunächst brauche ich Ideen. Was habe ich zur Verfügung? Wie viel Boden, wie viele Beete kann ich bepflanzen? Welche Samen habe ich? Was möchte ich gern ernten? Ich beginne zu säen und probiere aus, was ich pflanzen kann. Ich gieße, kümmere mich, beschütze die keimenden Pflanzen. Ich bewirtschafte den Acker. Ich warte und bete, lasse wachsen. Und schließlich finde ich den richtigen Zeitpunkt für die Ernte.
Ernten bedeutet nicht, sofort alles nehmen zu können, was ich haben möchte. Ernten bedeutet nicht, den Boden auszubeuten und alles selbst zu bestimmen. Ernten steht am Ende einer Zeit von Arbeit und Mühsal.
Ernten heißt, auf verschiedene Kräfte angewiesen zu sein, die zusammenwirken. Gottes Gnade bewirkt, dass etwas wachsen kann. Gottes Gnade bewirkt, dass meine Wünsche Wurzeln bilden.
3 Zu viel Ernten (Predigttext Lk 12, 15-21)
In unserer Zeit ist die Ernte aus dem Gleichgewicht geraten. Es wird zu viel von der Erde genommen, ohne auf die verschiedenen Kräfte zu achten, die zusammenwirken. Die Erde wird in großem Stil ausgebaggert, um Kohle für unsere Energieversorgung zu verbrennen. Die Erde ist aus dem Gleichgewicht geraten. Der Wechsel von Bitten und Danken ist gestört. Es wird zu viel geerntet. Wer übersatt ist, verliert die Verbindung zum eigenen inneren Gleichgewicht, und somit auch zu Gott.
Ein Gleichnis davon erzählt Jesus im Lukasevangelium.
Wir hören den Predigttext bei Lk 12, 15-21 (evtl. von einer anderen Person gelesen).
15 Darauf sagte er zu ihnen: »Seht zu und hütet euch vor aller Habgier. Denn ihr lebt nicht davon, dass ihr viele Güter besitzt.« 16 Er gab ihnen einen Vergleich: »Das Land eines reichen Mannes hatte gut getragen. 17 Und er dachte bei sich: ›Was soll ich machen? Ich habe nichts, wo ich meine Früchte anhäufen könnte.‹ 18 Und er sagte: ›Ich will es so machen: Ich werde meine Scheunen abbrechen und größere bauen und dort all mein Getreide und meine Güter anhäufen. 19 Und dann werde ich zu mir sagen können: Mensch, du hast viele Güter daliegen; auf viele Jahre hin. Ruh dich aus, iss, trink und sei fröhlich!‹ 20 Gott aber sagte zu ihm: ›Du Narr, in dieser Nacht verlangen sie dein Leben von dir. Und wem wird dann das gehören, was du bereitgelegt hast?‹ 21 So frage ich dich, ist, wer Schätze für sich anhäuft, auch reich im Hinblick auf Gott?«
Der Landbesitzer nimmt zu viel, er denkt nur an seinen eigenen Wohlstand.
Wie geht es den Arbeitern auf seinem Feld, haben sie auch genug bekommen? Wie geht es den Nachbarn? Haben ihre Felder auch gut getragen?
Schon die jüdischen Gesetze vor mehr als 2000 Jahren kannten das Problem der Verteilungsungerechtigkeit: Die Einen häufen Reichtümer an und die Anderen ernten zu wenig. Im 3. Buch Mose steht daher folgendes Gesetz: „Wenn ihr erntet, sollt ihr euer Feld nicht bis an den Rand abernten und keine Nachlese halten. Lasst etwas übrig für die Armen und die Fremden, die in eurem Land wohnen.“ (Lev 23,22). Außerdem gibt es in der jüdischen Tradition bis heute das Sabbatjahr. Das bedeutet, dass die Felder und Äcker an jedem 7. Jahr ruhen und nicht bewirtschaftet werden. So steht es im 2. Buch Mose: „Sechs Jahre kannst du dein Land bebauen und den Ertrag ernten, den es dir bringt. Aber im siebten Jahr lass es brachliegen und sich erholen. Was dann von selbst wächst, sollen die Armen essen, den Rest überlass dem Wild. Ebenso sollst du es mit deinen Weingärten und Ölbäumen halten.“ (Ex 23,10).
In unserer Zeit sind diese Worte drängender denn je geworden. Vielerorts bewirtschaften Menschen die Erde nicht mehr, sondern sie beuten aus. Sie nehmen so viel wie sie bekommen können, anstatt in einem guten Gleichgewicht mit der Erde zu säen und zu ernten.
„Seht zu und hütet euch vor aller Habgier. Denn ihr lebt nicht davon, dass ihr viele Güter besitzt.“ Das ist Gottes Wort an uns, in unserer Zeit.
An vielen Stellen ist es nötig, dass wir umdenken und lernen zu danken. Für die Energie, die uns zur Verfügung steht: Für Licht, Wärme, technische Geräte und Mobilität. Das alles kommt nicht von irgendwoher, sondern hat einen konkreten Ursprung- meist in der Verbrennung von Kohle. Auch die Energie, die wir für diesen Gottesdienst verbrauchen hat ihren Ursprung (elektrisches Licht? Mikrofon? Mit dem Auto hergefahren?).. Woher kommt die Energie, die wir verbrauchen? Welche Folgen hat sie für die Umwelt?
Eine Umkehr ist notwendig, damit die ganze Erde, die Schöpfung wieder in ein Gleichgewicht kommen kann. Im Gleichnis begegnet uns ein fordernder Gott. „Du Narr“, sagt Gott und nimmt damit kein Blatt vor den Mund.
Was wir als Reichtum ansehen, ist kein Reichtum vor Gott. Unsere Seele ist nur dann reich, wenn sie in einem Gleichgewicht lebt.
4 Ausklang: Gleichgewicht
In dem Psalmtext, den wir gemeinsam gebetet haben, wird gesagt: Gott hat die Erde weise geordnet. Das heißt auch: Gott hat der Erde ein Gleichgewicht gegeben.
Wenn ich am Meer stehe und den Wellen lausche, kann ich es hören. Das Wasser kommt und geht. Die Wellen ziehen zum Ufer und wieder zurück. Hin und her. Solange das Wasser im Gleichgewicht bleibt, tritt es nicht über die Ufer. Werden Häuser und Straßen überschwemmt, dann ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten.
Die Erde ist im Gleichgewicht, wenn sie guter Nährboden für Pflanzen ist. Nicht zu trocken, nicht zu feucht. Nicht sauer, nicht basisch. Wenn sie zu trocken geworden ist und die Ernten nicht gut ausfallen, dann ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten.
Ich selbst bin im Gleichgewicht, wenn ich Grund zum Bitten und Grund zum Danken habe. Solange ich meine Hand öffne um zu nehmen und sie ausstrecke um zu geben. Wenn ich mich öffne und begrenze. Dann bin ich in einem lebendigen Gleichgewicht.
Ich füge mich in das Gleichgewicht der Schöpfung ein und suche meinen Platz auf der Wippe. Wo wiege ich zu schwer, wo muss ich Platz für die anderen machen? Wie kann ich so leben, dass ich keinen Schaden anrichte? Wenn ich meinen Platz finde, dann kann die Wippe frei schwingen. Dann kann ich fröhlich sein und Gott für das Gute danken, was ich erfahre. Für die Schönheit der Schöpfung. Für die Früchte der Ernte.


Predigt auf der Bundesgartenschau in Mannheim
zur Eröffnung der Themenwoche „Kirche Klima Krise“
Predigttext: 1. Kön 19,3-12
Wüstenwege, weite Wege
Der Weg zur Wasserquelle ist weit geworden. Vor drei Jahren noch war sie ohne Probleme bei Sonnenuntergang zurück. In diesem Jahr muss sie sehr viel schneller gehen, damit sie es vor Einbruch der Dunkelheit schafft. Auch die Sommerhitze ist stärker geworden. Sie spürt das sehr deutlich. Und die Tiere spüren es auch, die Sonne wird brennender. Aber das größte Problem ist das Wasser. Wenn es in Zukunft noch weniger Wasserquellen geben wird, wer weiß, wo sie dann hingehen werden. Aber noch sind sie hier und es ist ihre Aufgabe, das Wasser zu holen. Hoffentlich wird es nicht gefährlich, hoffentlich lauert ihr niemand auf. Weite Wege durch die Wüste sind keine sicheren Orte für junge Frauen. Die Angst ist mit auf dem Weg, aber es geht nicht anders. Das Wasser wird gebraucht. Sie geht ihren Weg.
Andere Familien haben sich längst aufgemacht. Sie haben ihre Kleider und Vorräte zusammengepackt und suchen nach neuer Heimat. Nach sicheren Orten, ohne quälende Dürre, ohne Überschwemmung. Weite Wege - Schritt für Schritt gehen sie durch den Wüstensand. Klimaflüchtlinge.
Schon jetzt sind Millionen Menschen auf der Flucht vor der Klimaveränderung – und die Zahlen steigen dramatisch.
Wissenschaftler*innen warnen seit Jahrzehnten. Und sie sagen: Noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit haben so wenige Menschen in Politik und Wirtschaft Entscheidungen getroffen, die so weitreichende Folgen für den ganzen Planeten haben.
Und zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten spüren auch wir größtenteils westeuropäisch Sozialisierten: Ein Leben in Wohlstand und Sicherheit ist keinesfalls selbstverständlich. Wir Menschen sind nicht so unabhängig, wie wir dachten- wir sind angewiesen auf unsere Umgebung, auf unser Klima – wir sind eingebunden in natürliche Abläufe von Sommer und Winter, Regen, Saat und Wachstum.
Auch in Deutschland ist die Angst ein Begleiter. Jugendliche schauen oft besorgt in die Zukunft. Eine Familie gründen, das erscheint vielen als zu großes Risiko. In was für einer Welt würden diese Kinder einmal leben? Die Angst vor dem, was kommt, ist groß. Sie lähmt. Sie drückt nieder.
Elijah
Da bekam Elijah es mit der Angst zu tun. Er lief in die Wüste, er setzte sich unter einen Ginsterstrauch und wollte nur noch sterben.
Da berührte ihn eine Botschaft: „Steh auf, und iss!“
Er aß und trank, drehte sich um und legte sich wieder hin. Da kam die Botschaft Gottes zum zweiten Mal und berührte ihn: „Steh auf, und iss. Du hast einen weiten Weg vor dir.“
Ich frage mich, wie diese Stimme klingt, die da sagt: Steh auf. Iss. Mach dich bereit, du hast noch einen Weg zu gehen.
Ist es eine zärtliche Stimme, die mich sanft in der Tiefe berührt? Gib nicht auf, flüstert sie. Du hast Brot, und du hast Wasser. Alles, was du brauchst, ist da. Und das kleine Stückchen Mut, was dir noch fehlt, gebe ich dir. Mach dich auf den Weg.
Oder, sind es eher bestimmte Worte. Fordernd, jetzt nicht der Müdigkeit zu verfallen. Ich habe die Stimme meiner Großmutter im Ohr, wenn ich als Kind krank war und zu müde, etwas zu essen oder trinken. Doch, diese Teetasse wird getrunken. Keine Diskussion. Und dann wirst du wieder gesund.
Es sind auch die Stimmen von Aktivist*innen: Steht auf. Macht euch bereit. Bleibt jetzt nicht stehen. Die Erde braucht euch, jeden einzelnen. Der Weg ist weit, aber wir haben alles, was wir brauchen. Wir müssen es nur umsetzen.
Wie auch immer diese Stimme klingen mag, sie spricht auch zu uns. Ich höre sie manchmal, wie sie zu mir sagt: Bleib jetzt nicht stehen. Du hast noch einen Weg zu gehen. Es ist noch Kraft in dir. In jedem von uns ist Kraft und Lebendigkeit. In jedem von uns stecken Möglichkeiten, die wir bisher nicht verwirklicht haben. In jedem von uns schlägt ein kräftiges Herz.
Bewegung
Unser Herz steht nicht still. Jeden Tag, jede Stunde unseres Lebens ist es in Bewegung. In uns allen wirkt die lebendige Kraft Gottes, die weiterträgt und das Leben liebt. In unseren Körpern ist niemals Stillstand. Das Blut in uns pulsiert, der Atem bewegt sich. Bei Menschen. Bei Vögeln. Bei Tieren der Wüste und Tieren des Waldes. Auch in Bäumen und Pflanzen pulsiert das Leben, werden Nährstoffe und Wasser transportiert. Alles ist in Bewegung, die ganze Schöpfung Gottes. Da ist kein Stillstand. Kein Moment ist wie der Andere. Wir alle, hier und heute, inmitten der ganzen Erde, sind lebendige Geschöpfe. Manchmal schließe ich für einen Moment die Augen und spüre, wie viel Leben da um mich herum pulsiert. Und ich bin ein Teil davon, ich bin ein Mitgeschöpf, verbunden mit so viel Lebensfreude auf dieser Erde.
Und doch ist diese Schöpfung bedroht. Lebensräume werden eingeschränkt. Für Vögel und Insekten, und auch für Menschen. Ganze Landstriche werden unbewohnbar. Zu heiß. Zu trocken.
Veränderung wird blockiert. Zu viel Kohle haben wir schon aus der Erde geholt, zu viel verbrannte Erde hinterlassen. Die Klimakrise schreitet voran und die lebensbejahenden Kräfte setzen sich noch nicht genug durch. Die Kräfte, die das Leben von Vielen im Blick haben. Die dahin wirken, Lebensräume zu erhalten und Lebendigkeit zu ermöglichen.
Wer wird die Zukunft gestalten? Wohlstand für Wenige? Oder Vielfalt? Das Leben in seiner ganzen schöpfungsreichen Fülle, bunt und verschieden, Menschen, Tiere, Pflanzen, genug Raum für alle geliebten Geschöpfe Gottes?
Steh auf und iss. Du hast einen weiten Weg vor dir. Stehen wir auf. Essen und Trinken und gehen auf dem Weg, der ins Leben führt. Vertrauen wir der Stimme Gottes, die am Ostermorgen das Leben durchbrechen lässt. Glauben wir an die lebensbejahenden Kräfte dieser Schöpfung.
Machen wir mit. Gestalten wir. Bauen wir asphaltierte Flächen zurück und legen Gärten an. Riesige Gärten. So wie hier in Mannheim auf der BuGa. Malen wir gebrauchte Bänke und Stühle bunt an. So wie hier, in dieser wunderschönen Kirche. Schauen wir bei uns zu Hause, welche Möglichkeiten noch ungenutzt sind, um Räume den Vögeln und Insekten zu überlassen. Fördern wir erneuerbare Energien, wo es nur geht. Schauen wir in unsere Kirchengemeinden: Was können wir da tun, was haben wir noch nicht probiert? Wie können wir achtsam werden für die Energie, die wir verbrauchen? Wie sieht die Zukunft aus, die wir uns für unsere Gemeinde wünschen? Und wo sind die Menschen, die schon losgegangen sind und diese Zukunft leben?
So vieles ist schon da. So viele sind schon auf dem Weg. Gehen wir mit ihnen und lassen unsere Erde aufblühen.
„Eine andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist auf dem Weg“ – schrieb Arundhati Roy einmal. „Vielleicht werden viele von uns nicht hier sein, um sie zu begrüßen, aber an einem ruhigen Tag, wenn ich ganz genau hinhöre, kann ich sie atmen hören.“
Ich höre diesen Atem auch. Manchmal spüre ich das sanfte Wehen Gottes zärtlich und tief in mir, so wie Elija es am Ende seiner Reise spürte.
Die Klimaveränderungen bleiben eine Menschheitsaufgabe für die nächsten Jahrhunderte. Aber diese Einsicht muss nicht niederdrücken, sie kann uns auch anreizen. Wenn wir uns mit auf den Weg machen, dann zeigen wir: Diese Schöpfung ist es uns wert. Die Kinder und Enkel sind es uns wert. Die Zukunft ist es uns wert.
Und das leise Wehen, der Atem Gottes ist in uns und mit uns, um uns herum, lockend in die Zukunft, in jeden neuen Augenblick.
Gott ist Zukunft. Amen.



predigt mutausbrüche zum micha vernetzungstreffen am 13.11.2022

1 Bibelgeschichte David & Goliath

Aus 1. Samuel 17: „Als die Israeliten zum Kampf antraten, stellten sie sich am Abhang des Tales auf. Am gegenüberliegenden Abhang standen die Philister; dazwischen lag die Talsohle. Da trat aus den Reihen der Philister ein einzelner Krieger hervor. Er hieß Goliat und stammte aus Gat. Er war über drei Meter groß und trug einen Helm, einen Schuppenpanzer und Beinschienen, alles aus Bronze; der Panzer allein wog mehr als einen Zentner. Er hatte ein bronzenes Krummschwert geschultert. Der Schaft seines Spießes war so dick wie ein Weberbaum und die eiserne Spitze wog fast vierzehn Pfund. Ein Soldat trug den großen Schild vor ihm her. Der Mann trat vor die Reihen der Philister und rief den Israeliten zu: „Warum stellt ihr euch zur Schlacht auf?“

Puh, habe ich gedacht, als ich mir den Bibeltext zum ersten Mal durchgelesen habe. Eine Kriegsszene- will ich tatsächlich damit meine Predigt beginnen? Die vielen Bilder von Gewalt, die wir in den letzten Monaten und Wochen sehen, haben uns doch schon viel zu müde und verletzlich gemacht. Eine Rüstung anlegen und Streitkräfte zusammenziehen, das ist nicht der Mut, über den ich sprechen will. Das ist Gewalt. Und doch: Die scheinbare Überlegenheit von dem riesigen Goliat, sein Panzer und das schwere Metall, was er am Körper trägt – das hat mich doch zum Nachdenken angeregt/ sind Bilder hochgekommen. Und es erinnert mich an so einiges, was mir zurzeit an scheinbar Überlegenem begegnet. Die riesigen Braunkohlebagger, die noch immer im Auftrag von RWE und anderen weite Teile auch in Deutschland zerstören und ausgraben, Dörfer abreißen und im Grunde ein Schlachtfeld hinterlassen. Aufgerissene Erde. Ich erinnere mich gut an den Anblick solcher Kohlegruben – und an die riesigen Maschinen voller Metall, die dort ihre Arbeit tun. Schweres Metall und eine einschüchternde Größe – so wird auch der Krieger Goliath beschrieben.

„Warum stellt ihr euch zur Schlacht auf?“ ruft er. „Ich fordere das ganze Heer Israels heraus! Schickt mir einen Mann, damit wir miteinander kämpfen!“ Als Saul und die Männer Israels den Philister so reden hörten, erschraken sie und hatten große Angst.“

So erzählt es der Bibeltext weiter- die ganzen Männer Israels eingeschüchtert von dieser vermeintlichen Stärke. Richtig entsetzt sind sie! Eine Freundin meinte: „Ich stelle mir vor, dass sie einfach schreiend weggelaufen sind! So wie auch heute viele vor den Krisen unserer Zeit lieber weglaufen wollen, statt ihnen ins Gesicht zu sehen.“ Und sofort spricht es sich im ganzen Land rum. Da ist nichts zu machen, keine Chance, die anderen sind überlegen – sie haben diesen riesigen Krieger Goliat mit seiner tonnenschweren Rüstung. Und durch dieses Erzählen hört auch David von der Geschichte- David, zu diesem Zeitpunkt noch ein unbekannter Junge, der die Schafe seines Vaters hütet. Er wird losgeschickt, um seinen Brüdern etwas zu Essen zu bringen, und so gerät er mitten ins Getümmel. Er sieht die verängstigten Männer, die sich angstvolle Geschichten von dem Gegner erzählen, und er versteht, dass hier etwas nicht stimmt. Dass nicht der mit Rüstung und Metall bekleidete die Stärke Gottes verkörpert. Anders formuliert: David hinterfragt die scheinbaren und doch so wirkmächtigen Machtstrukturen seiner Zeit kritisch.

Und es überkommt ihn etwas, ein plötzlicher Mutausbruch, eine Stimme tief in ihm weiß, was zu tun ist – David geht zum König Saul und bittet ihn: Er möchte Goliath gegenübertreten. Und Saul ist einverstanden. Ich stelle es mir so vor, dass da eine Entschlossenheit in David gewirkt hat, die nicht zurückzuweisen war. So eine Entschlossenheit, mit der auch Mose einst vor den Pharao getreten ist und gesagt hat: Lass meine Leute ziehen. So eine Entschlossenheit, mit der Mirjam in der Wüste begonnen hat zu singen und zu tanzen, und so dem ermüdeten Volk Lebensmut und Freiheit gab. So eine Entschlossenheit, mit der der Prophet Micha sich auf einen Berg stellte und der ganzen Welt zurief: „Gebt Acht, ihr Bewohner der ganzen Erde! Der Herr, der mächtige Gott, tritt als Richter in eure Mitte.“ Ich fasse zusammen, was er noch gesagt hat: Das, was hier geschieht, ist nicht gerecht. Das Land wird neu verteilt werden und die Verbrecher und Betrüger werden leer ausgehen. Ich weiß, dass Gott mir helfen und mein Rufen hören wird.

Diese biblischen Texte erzählen von einem Mut, der durch die ganz tiefe Stimme Gottes getragen ist. Dieser Mut, das ist wirkliche Stärke, die vor Gott zählt- und die braucht gerade keine metallene Rüstung. Der Dynamik von Gewalt setzen wir den Mut des Herzens entgegen. Dieser Mut lässt einzelne, unbedeutende Menschen aufstehen gegen die Machthaber und Reichen in dieser Welt. Er lässt die Kleinen, Wenigen und Unscheinbaren diejenigen sein, die etwas verändern. Es ist der freche Mut der kleinen Gruppen, von dem auch in biblischen Geschichten immer wieder erzählt wird. Zurück zu unserem Bibeltext: Der Junge David tritt dem Soldaten Goliath entgegen. Er überwindet damit die Angst vor der kriegerischen Inszenierung einer Übermacht. Dieser Mut ist es, der die Welt verändert. Another world is possible.

Das wissen auch die Aktiven und Aktivistinnen, die sich heute für Gerechtigkeit einsetzen, die Kohlebagger blockieren oder auf die Straße gehen, die viele kleine und große Protestaktionen planen und durchführen. Mich hat es bewegt, ein Video von den faithesforclimatejustice zu sehen- da protestieren Muslime, Christinnen und Juden gemeinsam in der Eingangshalle eines großen Geldgebers fossiler Industrien. Ich sehe die 15-jährige Greta Thunberg mit einem Schild vor dem schwedischen Parlament sitzen- und ich sehe die 16-jährige Greta vor der UN-Klimaversammlung weinend über die aussterbenden Arten sprechen und mit starken Worten Veränderung einfordern. Weinend, weil es die anderen nicht tun, und es doch zum Weinen und Klagen ist, was wir der Schöpfung antun. Mut, das kann auch bedeuten zu weinen und der Trauer Raum zu lassen, wenn es Zeit für sie ist. Nicht diejenigen, die sich mit Rüstungen kleiden und innerlich kalt sind, sind wirklich stark. Sondern diejenigen, die aus einem verändernden Mut heraus handeln- und zu diesem Mut gehört auch das Klagen, zu diesem Mut gehört das Gefühl und die Solidarität mit denen, die zu Unrecht leiden. Mit den aussterbenden Arten in Gottes wunderbarer Schöpfung. Ich glaube, auch Gott weint manchmal darüber.

Auch wenn sich der Einsatz für soziale und globale Gerechtigkeit, für Klimagerechtigkeit, immer wieder auch wie ein Kampf anfühlt – wir ziehen nicht in den Krieg. Es geht nicht darum, zu siegen. Es geht nicht darum, Fronten zu bauen. Wenn ich jemand anderen klein halten will, dann geht es mir um mein eigenes Ego. Wenn ich Applaus dafür bekommen möchte, dass ich mich engagiere, dann spricht nicht die Stimme Gottes in mir – da lohnt sich Ehrlichkeit zu sich selbst. Auch der Einsatz für die gute Sache kann zu einem moralischen Überlegenheitsgefühl führen, was nicht weiterführend ist. Die Hoffnung von einer anderen Wirklichkeit aber, von Gottes Wirklichkeit, die führt uns aus unguten Machtdynamiken hinaus. Wir führen Veränderung herbei, die von einer tiefen Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Frieden geleitet wird. Und diese Veränderung anzustoßen und weiterzuführen ist unsere Aufgabe, jeden Tag neu, Schritt für Schritt. Und eben hier ist unser Mut unbedingt notwendig. Der Mut von jeder Einzelnen und jedem Einzelnen von uns. Erzählt von euren Sehnsüchten nach Gerechtigkeit, sprecht auch das aus, was euch zutiefst berührt! Was uns im Herzen trägt, das ist die Vision und die Hoffnung einer lebens- und liebenswerten Welt, die Gott uns verheißen hat. „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen“, wie es bei Micha 4,3 heißt. Oder, wie ich ihn neulich umgeschrieben habe: „Sie werden ihre Kohlegruben zu Solarfeldern machen und ihre Verbrenner zu Fahrrädern umschmieden.“

Hoffnung und Mut gehören sicher zusammen, und doch unterscheidet sie, glaube ich, etwas voneinander. Die Hoffnung hat eine viel weitere Perspektive, sie nimmt Fernziele in den Blick, Visionen die wir jetzt noch nicht erreichen, Verheißungen Gottes, die eine Menschengeneration übersteigen. Die Perspektive ist wichtig, aber der Mut ereignet Jetzt. Mut ist Gegenwart, in der die Hoffnung konkret wird.

Gerade die Klimakrise zeigt uns ja ganz deutlich: Es wird nicht den einen großen Moment geben, an dem sich alles entscheidet- nicht die eine Konferenz, die ein „Welt-Rettungs-Paket“ beschließt, und auch nicht die eine entscheidende Wahl eines Präsidenten, der alles in die richtigen Bahnen lenkt – auch wenn das manchmal so inszeniert wird. Es gibt viele Momente. Veränderung passiert stets und ständig, schleichend im Prozess, hier ein Stück und dort ein Stück. Es braucht viele Aktionen, große und kleine, überall. Gerade bei den globalen Themen fühlt es sich so zäh und klebrig an, weil wir viel schneller ein Ergebnis sehen wollen, und weil wir auch wissen, dass die Zeit drängt. Das ist frustrierend und erschütternd. Nur sollte uns dieser Frust nicht in Resignation oder Sarkasmus führen. Ich habe gehört, wie viele Bilder von einer lebenswerten Zukunft ihr alle in euch tragt: Von Gruppen, die einander zuhören. Von Gemeinwohlökonomie, die für alle beschlossen wird. Davon, dass alle miteinander lachen und die verschiedenen Generationen sich verstehen. Dass sich die Tiere aus der Massentierhaltung befreien. Erzählen wir uns weiter davon!

So wie Jesus uns vom Kommen des Reich Gottes erzählt hat: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es!, oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Lk 17,20-21) Veränderung geschieht schon – Gottes Reich wächst. Und es braucht unseren Mut, unsere glaubende Hoffnung: another world is possible.

2 Mut und Herz – Jesus
Ich glaube, Mut kommt sehr stark aus dem Herzen, mutig ist, wer aus dem Herzen spricht, oder „sich ein Herz fasst“. Ein anderes Wort für Mut, nämlich die courage, kommt vom französischen coeur- dem Herzen. Noch einmal zurück zu David: dass Gott ihn zum König von Israel auserwählt, wird im 1. Samuelbuch so begründet: Denn Gott sieht nicht auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“ Und an anderer Stelle: „Gott hat sich einen Mann gesucht nach seinem Herzen“.

Mich hat es neulich sehr berührt, mir klar zu machen, dass mit Jesus Christus Gott selbst ein Herz bekommen hat. Ein Herz, das sich berühren ließ von Menschen, die an Körper und Seele verletzt waren. Ein Herz, dass mutig auf die Stimme Gottes gehört, die Händler aus dem Tempel vertrieben und den Mächtigen seiner Zeit widersprochen hat. Ein Herz, dass verzagt war und Angst hatte – der schlimmsten Angst, Angst vor dem Tod auf Golgata.  Jesus hat der Stimme Gottes in seinem Herzen vertraut. „Vertrauen ist die leiseste Art des Mutes“ sagt eine österreichische Schriftstellerin (Irmgard Erath). Wer Mut kennt, kennt auch Angst. Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst. Der Angst ins Gesicht blicken erfordert ja oft besonderen Mut. Und wie schwer ist das, einmal ehrlich zuzugeben, dass die Angst gerade größer ist. Dass man sich mutlos fühlt. Das jemandem anzuvertrauen, oder im Gebet vor Gott zu bringen, kann vielleicht schon ein erster Schritt aus der eigenen Angst sein.

Ich denke, Mut kann je nach Situation ganz verschieden aussehen. Vielleicht komme ich in eine neue Gruppe und kenne die anderen noch nicht so gut. Da erscheinen mir diejenigen besonders mutig, die extrovertiert und dominant sind, oder die, die schon richtig viel Erfahrung haben. Manch einer fühlt sich dann eingeschüchtert und traut sich gar nicht so richtig, sich einzubringen. Mut bedeutet nicht unbedingt, zu den Extrovertierten zu gehören, und in einer Gruppe die Leitungsrolle zu übernehmen – manchen liegt das und das ist gut so. Aber nicht jede und jeder muss Gruppenleiterin sein. Mut kann auch bedeuten, in der Gruppe anzusprechen, wie es mir geht, dass ich noch meinen Platz suche. Wir brauchen da keinen Wettbewerb oder Bewertungen. Wenn wir uns gegenseitig etwas anvertrauen, dann wächst Vertrauen ineinander. Und dann kann eine Gruppe zu einem Mutraum für mich werden – ein Raum, in dem ich mich aufgehoben fühle, in dem ich meine Gefühle teilen kann, und in dem ich bestärkt werde, in dem ich Aktionen plane und Forderungen laut werden lasse. Ich wünsche euch, dass eure Gruppen solche Muträume für euch sein können.

Für mich bedeutet Mut, einen Zugang zum eigenen Herzen zu finden und damit zu der Stimme Gottes, die in mir spricht. Und um diese Stimme zu hören, brauche ich immer wieder auch Zeiten der Stille und des Zuhörens. Zeit, die Augen zu schließen. Nach Gottes Stimme suchen und ihr Raum zu geben, das bedeutet, sich Pausen vom eigenen Aktionismus zu nehmen. Auf das eigene Herz und den Atem zu hören. Gott spricht in unsere Herzen hinein, wenn wir ihm den Raum dazu lassen. Sich Zeit nehmen für das Gebet, allein oder gemeinsam mit anderen, in der Form, die zu mir passt. Manche sprechen gern viel im Gebet und erzählen oder suchen bestärkende Worte, andere brauchen viel Ruhe und zärtliche Aufmerksamkeit für die Suche nach Gottes Stimme inmitten der vielen lauten Geräusche in unserer Welt.

3 Auf das eigene Herz hören + Mutworte
Ich lade euch ein, das Herz einmal ganz körperlich zu verstehen. Wer mag, kann eine Hand auf das  Herz legen und nachspüren.

Was sagt mein Herz jetzt gerade- ist es aufgeregt oder schlägt es ruhig?

Wie war das in letzter Zeit, wie ging es mir… hat mein Herz oft schnell geschlagen, weil ich viel Stress hatte und aufgeregt war? Oder war ich ruhig und in meinem Rhythmus?

Erinnere ich mich an einen Moment in meinem Leben, an dem ich wirklich mutig war? Woher kam dieser Mut? War es ein plötzlicher Mutausbruch, der mich selbst überrascht hat? Oder kam er schleichend, war er für andere sichtbar, oder nur für mich selbst? Hat er etwas verändert?

Wenn ihr euch an so einen Moment in eurem Leben erinnert, dann stellt euch diese Erinnerung ruhig noch einmal genau vor und schreibt sie euch ins Herz. Wie war eure Körperhaltung, habt ihr dabei gesessen oder gestanden, was haben die Schultern gemacht, war der Kopf aufrecht? Spürt dem einmal körperlich nach. Wem gerade keine Erinnerung einfällt, kann sich auch vorstellen, wie das wäre, mutig zu sein. Wie kann ich innere Entschlossenheit im Körper spüren?

Ich lese euch ermutigende biblische Worte vor, die ihr in eurem Herzen bewegen könnt:

Jos 1,9 “Sei mutig und stark! Fürchte dich nicht und hab keine Angst, den Gott ist mit dir, überall, wo du unterwegs bist.”

Jer 31,3: „Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“

Phil 4,13: „Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus.“

4 Muträume bauen, Potentiale nutzen
Ich glaube, dass biblische Mutworte, Erinnerungen an eigene Mut-Erfahrungen und vieles mehr (Gebete, Segnungen, Gemeinschaften…) Fundamente sein können, auf die wir Muträume bauen können. Muträume, in denen wir Kraft tanken können, auch mal Kummer loswerden, und in denen wir wieder ermutigt werden. Die uns helfen, die Potentiale zu nutzen, die in uns liegen. Die Potentiale, die Gott seiner Schöpfung immer wieder voller Gnade schenkt. Das Potential für eine veränderte Welt.

lasst uns muträume bauen

wir werden sie brauchen
bei all dem was vor uns liegt

lasst uns mutig sein

und für das leben streiten
für das es sich zu streiten lohnt
das wissen was zu tun ist
liegt im mut der entschlossenheit

diesen mut teilen in räumen

die wir wagen uns zu nehmen
wo wir einander spüren
als menschen
schön stark empfindsam
wo wir unseren worten vertrauen
den blicken
und dem klang unserer tiefen stimmen

lasst uns muträume bauen

weit weit weit
weit hinein in unsere herzen
wo so viel möglich ist
muträume in unseren atem legen
tiefe züge von der klaren luft des morgens
aufstehenden mut
ausbrechenden mut

und das was unsere tiefen unsicherheiten berührt

darf sein
der raum ist groß
der raum den gott in unseren herzen bewohnt

wir sind geboren zum leben

durch gottes schöpfende kraft
und wir werden leben
unter grünen bäumen
an fließendem wasser stehend
in den räumen die wir uns bauen
mit dem mut der uns leitet
und gott im herzen

Amen.